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Rattenfängertheater Hameln – Begehbares, mechanisches Theater im Stadtmuseum Hameln

Ort: Hameln
Auftraggeber: Steiner Sarnen AG für Kommunikation Schweiz
Leistung: Technische Planung, Bau und Einrichtung, Komposition, Audio- und Videoproduktion, Programmierung
Projektjahr: 2011

Das begehbare Rattenfängertheater bildet einen Höhepunkt innerhalb der neu konzipierten Dauerausstellung im Museum Hameln. Diese widmet sich in einem Bereich der weltberühmten Rattenfängersage.

Nach einem Entwurf der Schweizer Steiner Sarnen AG für Kommunikation übernahm m.o.l.i.t.o.r. die technische Planung sowie Bau und Einrichtung für das mechanisch betriebene Theater, das in sechs dramatischen Bildern die Rattenfängersage neu aufleben lässt. Zudem programmierte m.o.l.i.t.o.r. die Handlungsabläufe der 12 Minuten dauernden Aufführung, produzierte die eingespielten Videoeffekte und komponierte die Vertonung der Sage.

In der Inszenierung werden die Besucher/innen Bestandteil eines sinnlichen, bewegten und bewegenden Geschehens. Zusammenwirkende Bühneneffekte überraschen und ziehen ihn mit verschiedenen Geräuschen, Tönen, Lichtstimmungen und Filmsequenzen stimmungsvoll in den Bann. Der Zuschauer wird beim Betreten eines Vorraumes durch eine dramatische Schuhregalinstallation, in denen er die Rufe verzweifelter Eltern vernimmt, eingestimmt. Dahinter befindet sich der Theaterraum, in welchem die Handlung der Rattenfängersage ihren Lauf nimmt. Das Geschehen lässt sich von Mehlsäcken aus verfolgen, die als Sitzmöglichkeit dienen, und als befallener Bestandteil der Rattenplage auch deren Unerträglichkeit darstellen. Auf der Bühne befindet sich eine Schatztruhe die sich öffnet. Daraus tretende Figuren halten in einer Phantasiesprache den Bürgerrat ab. Ein technoid dargestellter Rattenfänger, der mit Lautsprecherkopf Aufmerksamkeit heischend einzieht, wirkt faszinierend und befremdend zugleich. Die Figuren des Bürgerrates sind aus kunstvoll zusammen gefügten Schrottteilen gebaut, die unterschiedliche Persönlichkeiten charakterisieren.

Durch eine Scherenmechanik lassen sie sich auf ca. 90 cm ausfahren und äußern sich durch Lautsprecherköpfe. Die Köpfe der Figuren sind drehbar und verleihen ihnen einen individuellen und lebendigen Ausdruck. Die Truhe aus der der Bürgerrat plötzlich auftaucht enthält einen Doppelboden, der an entsprechender Stelle einen vibrierenden, glitzernden Goldschatz preisgibt und damit für eine weitere Überraschung sorgt. Das Bühnenpodest ist 20 qm groß, auf eingebrachten Umlaufbahnen in Boden und Decke lassen sich Figuren und Kulissen bewegen. Eine unheimliche Wirkung erzeugen die gegen Ende der Sage auftretenden 130 Kinder-Totenhemdchen, die, unter der Decke schwebend und von einem Requiem musikalisch begleitet, in Form eines Totentanzes das grausame Schicksal der verschwundenen Kinder symbolisieren. Danach sind die verzweifelten Rufe der Eltern aus der Einstimmungsszenerie zu vernehmen. Sie verweisen auf den ewigen Kreislauf des Verderbens.
Die für diese mechanische Inszenierung in den Raum des Stadtmuseums aufwendig eingebaute Bühnentechnik ist vergleichbar mit der technischen Ausstattung eines kleinen Theaters.

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