
Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks
Auftraggeber: Werkbundarchiv, Museum der Dinge, Berlin
Leistung: Lichtgestaltung, Beratung für die Ausstellungsgestaltung und Präsentation
Projektzeitraum: 16. Juli bis 30. November 2009
Ausstellungszeitraum: Novemver 2009 bis Januar 2010
„Wollen wir erkennen, worin der gute Geschmack besteht, müssen wir zuerst den schlechten Geschmack beseitigen.“ Mit diesem Ziel eröffnete der Museumsdirektor Gustav E. Pazaurek 1909 im Stuttgarter Landesgewerbemuseum seine „Abteilung der Geschmacksverirrungen“. Er entwickelte dafür eine komplexe Systematik zur Einordnung von Gestaltungsfehlern aller Art, um sie am Gegenstand selbst zu entlarven. Entsprechend der Philosophie des Deutschen Werkbunds ging Pazaurek von einem starken Einfluss der Dinge auf den Menschen aus, im ästhetischen wie ethisch-moralischen Sinne.
Die Ausstellung versucht erstmals eine Rekonstruktion der „Abteilung der Geschmacksverirrungen“ und zeigt über 50 Leihgaben aus der Originalsammlung des Landesmuseums Württemberg. Darüber hinaus nimmt sie Pazaureks Systematisierung als Ausgangspunkt, um aktuelle Gestaltungstendenzen zu untersuchen. Eine Auswahl zeitgenössischer Produkte – von der Massenware bis zum Designerstück – wird deshalb den historischen Objekten gegenübergestellt.
Im Zeitalter des Stilpluralismus scheint es heute unmöglich, eindeutige Kriterien des „guten“ oder „schlechten“ Geschmacks auszumachen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch erstens, dass Pazaureks Richtlinien unverändert auf zahllose zeitgenössische Gegenstände anwendbar sind, bei denen dabei gleichzeitig ein spielerischer und ironischer Umgang mit Gestaltung erkennbar wird und zweitens, dass moralische Kriterien im Zusammenhang mit einem neuen Konsumentenbewusstsein wieder wichtig werden. Jedoch sind heutige „Verbrechen“ den Dingen nicht in erster Linie anzusehen, weil sie sich nicht in der Konstruktion, dem Material oder dem Dekor offenbaren, sondern im Kontext von sozialen, ökonomischen und ökologischen Faktoren liegen. Pazaureks Fehlerkatalog wird deswegen um neue Kategorien ergänzt.
Im letzten Teil der Ausstellung wird der Besucher eingeladen im Spannungsfeld zwischen dem Spielerischen und dem Moralischen seine eigenen „bösen“ Dinge einzuordnen und die Enzyklopädie fortzuschreiben.
Quelle: www.museumderdinge.de




Bildnachweis: © Uta Oettel