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Der Prozess - Adolf Eichmann vor Gericht

Ort: Stiftung Topographie des Terrors
Auftraggeber: Stiftung Topographie des Terrors
Leistung: Ausstellungsgestaltung, Ausstellungsgrafik, Produktionsleitung
Ausstellungszeitraum: 6. April bis 18. September 2011

Inhalte:
Vor 50 Jahren, im April 1961, eröffnete das Jerusalemer Bezirksgericht das Verfahren gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer und Leiter des ›Judenreferats IV B 4‹ im Reichssicherheitshauptamt Adolf Eichmann. Die Verhandlung wurde zu einem großen Medienereignis. Im Licht der Öffentlichkeit stand dabei nicht nur ein Täter des Holocaust. Erstmals erhielten auch die Schilderungen der Opfer weltweite Aufmerksamkeit: In Jerusalem begann die Ära der Zeitzeugen. Das Auftreten Eichmanns vor Gericht wiederum löste Diskussionen um Schuld und Verantwortung Einzelner im nationalsozialistischen System aus. Die Ausstellung widmet sich beiden Aspekten des Verfahrens, dem Bezeugen der Überlebenden und der Strategie des Täters; in ihrem Zentrum steht das Originalfilmmaterial aus dem Gerichtssaal. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. (Quelle: Topographie des Terrors)

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Gestaltung:
Die Aufgabe dieser Ausstellungsgestaltung war es, den Prozess mit seinen Phasen und insbesondere die vielschichtige Verquickung der Kapitel untereinander angemessen abzubilden. Dazu wurde die Ausstellung in abstrahierter Form einem Gerichtssaal nachempfunden.
Die Verhandlungen liegen 50 Jahre zurück. Die leichte Verfremdung der Zeit ist über die Geschehnisse gefallen. Die Besucher haben den ersten Kontakt mit dem Prozess durch eine eingefärbte Scheibe, die die dahinter liegenden Geschehnisse verfremdet. Ein sich zuspitzender Weg entlang Adolf Eichmanns Biografie, begleitet von den Deportationen des Krieges führt ins Innere der Ausstellung.
Der Wendepunkt in der Biografie Eichmanns ist sein Untertauchen und seine Flucht. Dem gegenüber stehen die Vorbereitungen des Prozesses mit ihren Akteuren, die schließlich in der Entführung Eichmanns und der Anklage münden.
Im Inneren der Ausstellung findet das Wechselspiel aller am Prozess Beteiligten statt. Der Prozess beginnt mit der Anklage und endet im Urteil. Zwischen allen Parteien stehen die Richter als vermittelnde Instanzen. Es gibt eine umfangreiche Zahl an Zeugen und einen Eichmann, der sich dem entgegenstellt. Die Geschehnisse des Krieges überschatten den Prozess. Die Presse und das Publikum begleiten den Prozess als Beobachter. Vom Inneren der Ausstellung betrachtet werden die außenstehenden Besucher hinter der blauen Scheibe zu weiteren Beobachtern des Prozesses. Eichmann wird mit den Zeugen und den Deportationen konfrontiert. Die nicht zugelassenen Sassen-Interviews liegen wie ein Schatten über ihm.
Das Ende des Prozesses und den Übergang in unser Heute markieren die übergeordneten Schlussfolgerungen aus dem Prozess, wie beispielsweise die Artikel von Hannah Arendt.
Die Ausstellungsgrafik nimmt das Motiv der Bürokratie mit ihren Unmengen an Formularen und Akten auf. Diese stehen zum einen als Bild für den Versuch, einen objektiven Prozess zu führen, in dem Aussagen und Beweisstücke aufgenommen und strukturiert werden. Zum anderen sind sie Ausdruck für die Funktion und das Handeln des ›Schreibtischtäters‹ Eichmann, der auf Papier über Enteignung und Ausweisung, über Leben und Tod entscheidet. Basierend auf einem ordnenden Raster geben Typografie, Farbgebung und abstrahierte grafische Elemente diesen beiden Bildern eine Form.

Bildnachweis: © Uta Oettel