
Olaf Nicolai: Großuhr
Ort: Neunkirchen (A), Landesberufsschule
Auftraggeber: Landesregierung Niederösterreich
Leistung: Entwicklung, Herstellung, Montage
Projektjahr: 2005
Olaf Nicolai (* 1962 in Halle/(Saale) ist ein deutscher Künstler, der von einem konzeptuellen Ansatz aus mit unterschiedlichsten Medien arbeitet. Olaf Nicolai wuchs in Chemnitz auf und absolvierte ein Studium der Germanistik mit anschließender Promotion an der Universität Leipzig. Seit Anfang der 90er Jahre ist er mit Gruppen- wie mit Einzelausstellungen an inzwischen fast allen wichtigen Orten des zeitgenössischen Kunstgeschehens präsent. Seine Werke waren sowohl auf der Documenta X (1997) wie auf den Biennalen 49 und 51 von Venedig (2001 und 2005) zu sehen. Er erhielt mehrere Stipendien, darunter das der Villa Massimo in Rom (1998). Im Jahr 2002 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg. Olaf Nicolai lebt und arbeitet in Berlin-Prenzlauer Berg.
Die sechs Meter lange und einen Meter hohe Uhr mit digitaler, achtstelliger Anzeige wird auf das Dach der Landesberufsschule Neunkirchen installiert. Die Uhr sprengt die Erwartungen, die man gemeinhin an eine solche stellt, und misst die Zeit auf höchst genaue Weise: Auch die Zehntelsekunden und die Hundertstelsekunden werden dargestellt. So pragmatisch, funktional und beiläufig der Zeitmesser mit seinen digital angezeigten Zahlen im Aluminiumgehäuse erscheint, so unerbittlich gnadenlos ist seine Aussage: Hier rennt einem bildlich die Zeit davon – und das umso mehr, je genauer man diese messen und sehen kann. Lakonisch gibt der Künstler eine naturwissenschaftliche Erklärung der Symbolik der rasenden LED-Anzeigen: Die Darstellungen von Maßeinheiten, die in unterrichteten Fächern der Schule notwendig sind, seien nicht mehr an die „unmittelbare“ Dimension der menschlichen Wahrnehmung gebunden. Dies wirke sich – besonders signifikant sichtbar in Schulen- auf die Konditionierung der Wahrnehmung selbst aus. …Nicolai umreißt die Paradoxie der Beschleunigungsgesellschaft, die von der Zeit beherrscht wird, die von ihr selber so schnell gemacht wurde und unfähig ist, diese wahrzunehmen.
Quelle: Cornelia Offergeld, publicart, 2005
